…und der Dorn des Paulus ?

Der Dorn des Paulus ist eines der klassischen Gegenargumente gegen die Position, die ich hier vertrete. Höchste Zeit also, dieses Argument anzusprechen.

(Aber schau dir auch die anderen Artikel zu diesem Thema an:
https://www.keine-tricks-nur-jesus.de/2017-03/paulus-stachel-im-fleisch.html
http://heart4truth.de/2013/01/28/was-war-paulus-pfahl-im-fleisch/)

1. Die Schriftstelle:

2.Korinther 12,7 – 10:
…auch wegen des Außerordentlichen der Offenbarungen. Darum, damit ich mich nicht überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, dass er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe. Um dessentwillen habe ich dreimal den Herrn angerufen, dass er von mir ablassen möge. Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne.
Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Schlussfolgerungen aus dem Text:
a) Paulus hat außerordentliche Offenbarungen bekommen.
b) Damit er nicht überheblich wird, wurde Paulus ein Dorn für das Fleisch, ein Engel Satans, gegeben, der Paulus mit Fäusten schlägt.
c) Paulus bittet den Herrn dreimal, daß der satanische Engel von ihm (Paulus) ablässt.
d) Der Herr antwortet: „Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.“
e) Aufgrund der Antwort des Herrn hat Paulus Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen.

Anmerkungen zu dem Text:

  • Zu a) Aber wirklich! Wer würde das bestreiten wollen?
  • Zu b) Satan (nicht Gott!) „gibt“ Paulus einen Dorn für das Fleisch, einen satanischen Boten, der Paulus mit Fäusten verprügelt. (Tut mir leid, das steht genau so im Text.)
  • Zu c) Wow! Paulus zählt mit! Sein Gebetsleben ist anscheinend total organisiert. Weißt du, wie oft du für etwas gebetet hast?
  • Zu e) Paulus hat die Antwort Jesu verstanden.
    Seine Reaktion ist: er rühmt sich(!) unter anderem:

    • der vielfältigen Misshandlungen,
    • der Nöte,
    • der Verfolgungen,
    • der Ängste um Christi Willen

2. Der Dorn

Da Paulus schreibt „ein Dorn“, bin ich erstmal von einem Dorn ausgegangen. (sehr naiv, oder?)
Aber diese Interpretation wird von Paulus selbst schnell korrigiert, denn er sagt, was es ist: es ist ein Bote Satans (Angelos, griechisch Ἄγγελος: „Bote“), der Paulus mit Fäusten schlägt.
(Boten richten den Willen dessen aus, der sie geschickt hat. Sie werden geschickt, um etwas zu sagen oder etwas zu tun.
Wir Christen sind die Boten Jesu Christi: (Mt 10,16 ; Lk 10,3 ; Joh 20,21) und auch wir sollen etwas sagen und etwas tun.)

Der Dorn hat sich sehr schnell „erledigt“. (Hauptsächlich durch Paulus’ eigene Erklärung.) Es ist kein Dorn, es ist ein Bote Satans!

3. Der schlagende Satansbote

Paulus wird von dem Satansboten mit Fäusten geschlagen. Im griechischen steht hier das Wort κολαφίζω, (Strongs 2852: kolaphizó, „mit der Faust zuschlagen“)
Das Wort wird nur an 4 weiteren Stellen im NT benutzt:

Matthäus 26,67:
Da spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn mit den Fäusten, andere aber ohrfeigten ihn und sagten: Weissage uns, Messias: Wer ist es, der dich geschlagen hat?

Markus 14,65:
Und einige fingen an, ihn anzuspucken und ihm das Gesicht zu verhüllen und ihn dann mit den Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Sag, wer war’s! Und die Gerichtsdiener empfingen ihn mit Schlägen.

1.Korinther 4,11 – 13:
Bis zur Stunde hungern und dürsten wir, sind wir nackt und werden geschlagen, sind wir ohne feste Bleibe und mühen wir uns ab mit unserer Hände Arbeit. Werden wir geschmäht, segnen wir; werden wir verfolgt, ertragen wir’s; werden wir verleumdet, reden wir freundlich. Zum Abschaum der Welt sind wir geworden, zum Unrat für alle, bis auf den heutigen Tag.

1.Petrus 2, 18-20:
Ihr Hausknechte, ordnet euch in aller Furcht euren Herren unter, nicht nur den guten und milden, sondern auch den verkehrten! Denn das ist Gnade, wenn jemand aus Gewissenhaftigkeit gegenüber Gott Kränkungen erträgt, indem er zu Unrecht leidet. Denn was ist das für ein Ruhm, wenn ihr geduldig Schläge ertragt, weil ihr gesündigt habt? Wenn ihr aber für Gutestun leidet und es geduldig ertragt, das ist Gnade bei Gott.

Das Wort κολαφίζω bedeutet an (mindestens) 4 von 5 Stellen: Eine Person wird mit (tatsächlichen) Fäusten (tatsächlich) geschlagen.

Also muss ich daraus schließen – obwohl es mir nicht wirklich gefällt – ,daß Paulus von einem Boten des Satan tatsächlich mit Fäusten geschlagen wurde.

Wie kann das nur sein?????

Paulus hatte bereits Dämonen ausgetrieben! Wie konnte er sich von einem Untergebenen Satans so etwas gefallen lassen?
Wusste er nicht, daß uns Jesus Vollmacht über alle Kraft des Feindes gegeben hat? (Lk 10,19)

Liegt es vielleicht am Unterschied zwischen Engeln und Dämonen?
Denn Engel sind keine Dämonen.
Und Dämonen sind niemals Engel. (Und ich bin mir ziemlich sicher, daß Dämonen niemals Engel waren. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.)

Hier waren keine „kleinen“ Dämonen am Werk, die von den 70 Nachfolgern Christi ausgetrieben wurden (s. Lukas 10). Hier war ein Bote Satans am Werk, der sich Paulus entgegenstellte.
(Und wir wissen, das diese Boten Satans sogar einen Erzengel Gabriel und einen Erzengel Michael länger beschäftigen können. s. Daniel 10,13)

Paulus gefällt die Behandlung gar nicht. Er wendet sich dreimal (!) an Gott, damit dieser Bote von ihm ablässt. Und Gott antwortet auf interessante Weise!

„Doch der Herr hat zu mir gesagt: »Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.«“

Paulus akzeptiert das. Sogar so sehr, daß er sich von nun an seiner Schwachheiten rühmen will! (Will er wirklich laut über seine Krankheiten reden?)

Aber vielleicht bin ich in einer Sackgasse.

Vielleicht benutzt Paulus das Wort kolaphizó in diesem Zusammenhang nicht für „mit der Faust zuschlagen“. Vielleicht hat es einen andere Bedeutung.

Das ist sehr unschön!
Denn wenn ein Wort nicht mehr bedeutet, was es bedeutet, sind wir im „Deutschunterricht“. Und dann darf jeder frei phantasieren, solange er für jedes Argument nur irgendeinen Aufhänger findet.
(Du merkst, lieber Leser, daß ich mich als Mathematiker dem Deutschunterricht gegenüber hilflos fühle.)

4. Die Schwachheiten des Paulus

Was meint er mit „Schwachheiten“?

Ich schaue mir das Wort an, was hier im Griechischen verwendet wird.
Schwachheiten: Ἀσθένεια , astheneia (Strong’s 769): Schwäche, Gebrechlichkeit. (Benutzt für Krankheit, Leiden, Unglück/Unfall,…)

1. Bedeutung: Schwachheit = Krankheit

Das Wort wird z.B. benutzt in Mt 8,17 (Schlachter):

16 Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu ihm, und er trieb die Geister aus mit einem Wort und heilte alle Kranken, 17 damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist, der spricht: »Er hat unsere Gebrechen weggenommen und unsere Krankheiten getragen«.

Hier bedeutet „Schwachheit“ also etwas Ähnliches wie „Krankheit“.
(Aber nicht „Krankheit“, denn „Krankheiten“ wird eigens im Text genannt.)
Schlachter übersetzt es mit „Gebrechen“.
(Anmerkung: Jesus hat also unsere Gebrechen weggenommen und unsere Krankheiten getragen. An dieser Stelle wäre es sehr unverständlich, wenn der gleiche Jesus zu Paulus sagt: „Du musst deine Krankheiten selber tragen!“)

2. Bedeutung: Schwachheit = Fehlendes Verständnis, fehlende Ernsthaftigkeit

Paulus redet in Rö 6,19 mit den römischen Christen wie mit Kindern. Er nennt sie „schwach“:

Ich rede menschlich wegen der Schwachheit eures Fleisches. Denn wie ihr eure Glieder früher der Unreinheit und der Gesetzlosigkeit zur Gesetzlosigkeit als Sklaven zur Verfügung gestellt habt, so stellt eure Glieder jetzt der Gerechtigkeit zur Heiligkeit als Sklaven zur Verfügung!

An dieser Stelle wäre die Deutung des Wortes als „Krankheit“ nicht sinnvoll.

3. Bedeutung: Schwachheit = Mangelnde Fähigkeit zu Beten

Paulus spricht in Rö 8,26 den römischen Christen Mut zu, daß der heilige Geist, den sie als Willkommensgeschenk erhalten haben, ihnen beim Bitten hilft:

26 Ebenso aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt, aber der Geist selbst verwendet sich für uns in unaussprechlichen Seufzern.

…und noch andere Stellen, die ich hier aber weglasse.

Zusammenfassend kann ich sagen: Das neue Testament verwendet das Wort „schwach“, „Schwachheit“ in verschiedenen Bedeutungen.

Welche Bedeutung ist die Richtige?
Oder noch wichtiger: wie verwendet Paulus das Wort?

  • Krankheit ?
  • Fehlendes Verständnis ?
  • Mangelnde Fähigkeit zu Beten ?

Zwischenstand:

An dieser Stelle kann ich zwei Dinge sagen:

  1. Paulus redet von einem „Dorn“, der ein „Bote“ ist, und er redet von „Schwachheiten“. 
=> Kein Leser dieser Zeilen kann hier zweifelsfrei von „Krankheit“ sprechen oder mit Hilfe dieser Schriftstelle eine Krankheit des Paulus begründen!
  2. Der Begriff „Dorn“ ist erklärt, denn Paulus erklärt ihn selbst:
 Es ist ein Bote Satans.

Nicht erklärt ist: „Schwachheit“. 
Was versteht Paulus darunter?

Ich halte es für sinnvoll, im Text (2. Korinther 11 + 12 + 13) zu schauen, ob Paulus den Begriff „Schwachheit“ verwendet.

Und das tut er!
In den Kapiteln 11, 12, 13 geht es um das, was Paulus erlitten hat:

Paulus schreibt in 2. Kor 11:

„…in Mühen … in Gefängnissen … in Todesgefahren … mit Ruten geschlagen ….gesteinigt …  in Seenot …  in Hunger und Durst … in Kälte und Blöße…“

2.Ko 11,29+30: Wer ist schwach, und ich bin nicht schwach? Wer wird zur Sünde verleitet, und ich brenne nicht? Wenn gerühmt werden muss, so will ich mich der Zeichen meiner Schwachheit rühmen.

Und in 2. Kor 12 spricht er von seinen Offenbarungen:

5 …über mich selbst aber will ich mich nicht rühmen, nur der Schwachheiten. Denn wenn ich mich rühmen will, werde ich doch nicht töricht sein, denn ich werde die Wahrheit sagen.
Ich enthalte mich aber dessen, damit nicht jemand höher von mir denke, als was er an mir sieht oder was er von mir hört, auch wegen des Außerordentlichen der Offenbarungen.
Darum, damit ich mich nicht überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, dass er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe.
Um dessentwillen habe ich dreimal den Herrn angerufen, dass er von mir ablassen möge. Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne.
Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Und in 2. Korinther 13 ist nicht nur Paulus schwach, sondern sogar Jesus schwach:

3 Denn ihr fordert ja einen Beweis dafür, dass Christus in mir redet, der gegen euch nicht schwach ist, sondern mächtig unter euch; 4 denn er wurde zwar aus Schwachheit gekreuzigt, aber er lebt aus Gottes Kraft; denn auch wir sind schwach in ihm, aber wir werden mit ihm leben aus Gottes Kraft euch gegenüber.
9 Denn wir freuen uns, wenn wir schwach sind, ihr aber mächtig seid; um dieses beten wir auch, um eure Vervollkommnung.

Darf ich an dieser Stelle wirklich sagen, daß Jesus krank war?
Und daß er wegen seiner Krankheit gekreuzigt wurde?

Wohl kaum.

Aus diesen Aufzählungen würde ich (wieder ganz naiv) ableiten, daß Paulus ein gefährliches Leben in Mißhandlungen und Verfolgungen und in Notsituationen gelebt hat.

Unter „Schwachheit“ stelle ich mir also eine Machtlosigkeit gegenüber – hauptsächlich – Menschen vor. Ihren Taten gegenüber fühlt sich Paulus schwach: Verfolgung, Ablehnung des Evangeliums, Gewalt gegen Christen.

Das passt auch sehr gut zu dem, was in der Apostelgeschichte steht.

Die Interpretation als Krankheit käme mir nach aufmerksamen Lesen der Apostelgeschichte überhaupt nicht in den Sinn, nach allem was passiert…

…in Ikonion:

Apg 14,1-3: Es geschah aber zu Ikonion, dass sie zusammen in die Synagoge der Juden gingen und so redeten, dass eine große Menge, sowohl von Juden als auch von Griechen, glaubte. Die Juden aber, die nicht gehorchen wollten, reizten und erbitterten die Seelen derer aus den Nationen gegen die Brüder. Sie verweilten nun lange Zeit und sprachen freimütig in dem Herrn, der dem Wort seiner Gnade Zeugnis gab, indem er Zeichen und Wunder geschehen ließ durch ihre Hände.

…in Lystra:

Apg 14, 8-11: Und ein Mann in Lystra saß da, kraftlos an den Füßen, lahm von seiner Mutter Leib an, der niemals umhergegangen war. Dieser hörte Paulus reden; als der ihn fest anblickte und sah, dass er Glauben hatte, geheilt zu werden, sprach er mit lauter Stimme: Stelle dich gerade hin auf deine Füße! Und er sprang auf und ging umher. Als die Volksmengen aber sahen, was Paulus tat, erhoben sie ihre Stimme und sagten auf Lykaonisch: Die Götter sind den Menschen gleich geworden und sind zu uns herabgekommen.

…in Derbe:

Apg 14,19-20 Es kamen aber aus Antiochia und Ikonion Juden an, und nachdem sie die Volksmengen überredet und Paulus gesteinigt hatten, schleiften sie ihn zur Stadt hinaus, da sie meinten, er sei gestorben. Als aber die Jünger ihn umringten, stand er auf und ging in die Stadt hinein; und am folgenden Tag zog er mit Barnabas aus nach Derbe.

Nur als Anmerkung: nachdem Paulus gesteinigt worden war, ging er nicht nur wieder in die Stadt hinein, sondern auch noch ungefähr 100 km bis nach Derbe.

LystraDerbe

…in Ephesus

Apg 19,10-12: Dies aber geschah zwei Jahre lang, so dass alle, die in Asien wohnten, sowohl Juden als auch Griechen, das Wort des Herrn hörten. Und ungewöhnliche Wunderwerke tat Gott durch die Hände des Paulus, so dass man sogar Schweißtücher oder Schurze von seinem Leib weg auf die Kranken legte und die Krankheiten von ihnen wichen und die bösen Geister ausfuhren.

(hier kann Lukas, der Historiker die Wunder nur noch zusammenfassen! Es sind anscheinend einfach zu viele um sie einzeln zu nennen!)

…in Troas

Apg 20,9-12 Ein junger Mann aber mit Namen Eutychus saß im Fenster und wurde von tiefem Schlaf überwältigt, während Paulus noch weiterredete; und vom Schlaf überwältigt, fiel er vom dritten Stock hinunter und wurde tot aufgehoben. Paulus aber ging hinab und warf sich über ihn, und ihn umfassend sagte er: Macht keinen Lärm! Denn seine Seele ist in ihm. Und als er hinaufgestiegen war und das Brot gebrochen und gegessen und lange bis zum Anbruch des Tages geredet hatte, reiste er so ab. Sie brachten aber den Jungen lebend und wurden nicht wenig getröstet.

…auf Melite

Apg 28,8-9: Es geschah aber, dass der Vater des Publius, von Fieber und Ruhr befallen, daniederlag. Zu dem ging Paulus hinein, und als er gebetet hatte, legte er ihm die Hände auf und heilte ihn. Als dies aber geschehen war, kamen auch die Übrigen auf der Insel, die Krankheiten hatten, herbei und wurden geheilt;

4. Die Begründung des Paulus

Paulus erklärt, warum er all das erdulden muss:

Wegen seiner außerordentlichen Offenbarungen!

Damit er sich nicht überhebt!

Manche Ausleger interpretieren den „Dorn“ als Verfolgung.
Und Paulus erlebte Verfolgung: von Juden und von anderen religiösen Menschen. (Verfolgung von nicht-religiösen Menschen erlebte er anscheinend nicht. Aber vielleicht irre ich mich hier.)

Ich finde, diese Interpretation macht am meisten Sinn.

Sie passt zu Paulus.
Sie passt zu Jesus.
Sie passt zu der Vollmacht, die Jesus seinen Nachfolgern gegeben hat, denn wir haben Vollmacht über alle Kraft des Feindes: über Krankheit, über Tod und über Dämonen.

Aber wir haben keine Vollmacht über Menschen! Jesus hat uns schon gesagt, daß wir verfolgt werden. Daß man uns in Gefängnisse schmeißen wird. Daß man uns umbringen wird.

Menschen haben Paulus verfolgt und mißhandelt.
Menschen haben Jesus verfolgt und mißhandelt.
Menschen verfolgen und mißhandeln Christen in vielen Teilen der Welt!

5. Schlussfolgerungen aus der „Krankheits-Auslegung“ (und ziemlich viel Spott)

Aber verfolgen wir mal den Gedanken, daß dieser Dorn eine oder mehrere Krankheiten bedeutet!

Daß also Paulus wirklich körperlich krank war und daß der Dorn des Paulus eine Krankheit war….

Das würde bedeuten: Satan ärgert sich so sehr über die Außerordentlichkeit der Offenbarungen Paulus‘, daß er zu ihm einen satanischen Diener schickt, der den Auftrag hat, Paulus krank zu machen.

Sehr unschön…
und also potentiell gefährlich!

Aber…
Hurra, dann kann mir ja gar nichts passieren!
Denn ich hab keine großen Offenbarungen.
Manchmal vielleicht kleine.
Und manchmal habe ich das Gefühl, ich verstehe gar nichts.

Dann kann ich mich nur an die Schrift klammern, und sie Wort für Wort nachbuchstabieren.
Von den großartigen Offenbarungen des Paulus bin ich weit entfernt!

Wenn diejenigen recht haben, die sagen, Paulus Dorn waren Krankheiten, die er tragen mußte, dann sitze ich hoch und sicher.
(Und viele Christen, die ich kenne, sind auch meilenweit von dieser Gefahr entfernt.
Die werden bestimmt nie ernsthaft krank!
Das gilt für Laien und Hauptberufliche.)

Also lieber Bruder, liebe Schwester, wenn du also nie krank wirst, hat dich entweder der Teufel übersehen. (Was natürlich gut sein kann, denn unfehlbar ist nur Gott!)

Das würde auch bedeuten, daß schwer kranke Christen vielleicht etwas Besonderes wissen?
Dass sie etwas erkannt haben, was profund, und wichtig und außerordentlich ist!?

Wenn in deiner Gemeinde also jemand krank ist, solltest du unbedingt mit ihm reden und dann – eventuell – von seinen Offenbarungen profitieren!
Wir sollten also unbedingt mit kranken Christen ins Gespräch kommen!

Aber warum macht dann Paulus den Christen in Korinth überhaupt Vorwürfe?
Warum sagt Paulus, diesen Christen im 1. Korintherbrief, daß sie krank sind, weil sie das Abendmahl in unwürdiger Weise einnehmen? (Weil sie einfach den Leib des Herrn nicht erkennen können.)
Wie kommt er denn darauf, wenn es doch noch einen anderen Grund gibt, unter dem er gleichfalls leidet!

Er schreibt den Korinthern:

„Ihr seid deswegen krank, weil Ihr das Abendmahl auf unwürdige Weise einnehmt, und den Leib des Herrn nicht beachtet!
Schämt euch!
Besinnt Euch!
Korrigiert das!

Aber sollte er nicht stattdessen schreiben:

Aber es könnte natürlich auch sein, daß Ihr deswegen krank seid,
weil Ihr so fantastisch großartige Offenbarungen erhalten habt!
Dann freut Euch und rühmt euch!
Und macht genau so weiter!“

?

Natürlich ist die Idee mit den großartigen Offenbarungen auch etwas verlockend!

Das nächste Mal, wenn ich krank bin, und mich durch die Gegend schleppe, und mich ein Bruder, eine Schwester bedauert, kann ich sagen:
„Ach lass nur! Hatte letzte Nacht wieder großartige Offenbarungen!“

und ich kann anfügen:

„Mir geht’s bestimmt wieder gut, wenn ich das meiste wieder vergessen habe!

 

Einverstanden mit meiner Argumentation?

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